Ein Kind wäre wegen einer vorschnellen Entscheidung des Jugendamtes (Treptow-Köpenick) und des Familiengerichtes (Tempelhof-Kreuzberg) beinahe für immer von seinen Eltern getrennt worden. In der Sendung Panorama (ARD, 30.03.06) wurde berichtet, daß Eltern ihr Kind einer Psychiaterin anvertraut hatten, weil das Kind beim Spielen oft Außenseiterin war. Die läßt das Kind mit anatomischen Puppen spielen und stellt dann jahrelangen Mißbrauch fest, was sie dem Jugendamt mitteilt und den Vater als möglichen Täter angibt. Ohne Vorgespräch mit den Eltern erfolgt der Antrag auf Entzug des Sorgerechts und das Familiengericht stimmt zu. Der auch wegen der Strafanzeige gegen den Vater eingeschaltete Staatsanwalt kommt, offenbar wegen des Fernsehens, zu der Auffassung, daß das ärztliche Gutachten auf suggestiven Fragen und veralteteten Methoden basiere, so daß man es nicht zugrundelegen kann für die Einschätzung des Sachverhaltes.
Prof. Steller des Instituts für forensische Psychiatrie (FU Berlin) teilt mit, bis zu einem Urteil des BGH waren anatomische Puppen und Deutungen von Kinderzeichnungen als Beweismittel anerkannt. Die nun schon lange neue Rechtslage können das Jugendamt und das Gericht nicht überhört haben. Plötzlich würden sich aber die Stimmen in Fachkreisen mehren, daß dieses Problem wieder da sei.
Die Eltern hatten unabhängige Gutachten verlangt, aber die Behörden reagierten überhaupt nicht. Anfragen des Fernsehens bei allen Beteiligten blieben ungehört.

Die Eltern hatten, ähnlich wie bei Rechtsanwälten, den Fehler gemacht, ihr Kind einer Psychiaterin anzuvertrauen. Wenn man psychiatrische Gutachten im rentenrechtlichen und strafrechtlichen Bereich anschaut und dagegen eine objektive Bewertung der begutachteten Personen vornimmt, stellt man schnell fest, daß es hier eine erhebliche Schieflage zwischen den Tatsachen und den gutachterlichen Erhebungen gibt. Z.B. werden organische Erkrankungen ignoriert und als psychisch verursacht hingestellt. Wer darauf beharrt, es sei eine organische Erkrankung, hat eine "somatoforme Störung". Das ist ebenfalls eine psychische Erkrankung. Hintergrund ist, einen Straftäter entsprechend verurteilen zu können oder einen Rentenanspruch wegen Arbeitsunfähigkeit zu vereiteln. Viele Psychiater sind in das Behörden- und Gerichtssystem offenkundig fest eingebunden.

In einer Studie der Universität Hagen im Zeitraum 2010/2011zur Qualität von familienpsychologischen Gutachten in Gerichtsprozessen (Gerichtsbezirk OLG Hamm) bzgl. der Erfüllung der fachlichen Standards kommt man zu dem Schluß, daß 50 % der Gutachten mangelhaft waren (Panorama, ARD, 14.08.14). Auch hätten die Richter die Gutachten nicht richtig geprüft.

In einem anderen Fall ("Zeitspiegel", BR vom 31.05.06) wird ebenfalls das Kind entzogen. Es ist von Geburt an gesundheitlich anfällig (verschleimter Hals, rasselnder Atem). Man stellt dann im Krankenhaus eine Lungenentzündung fest. Auf Röntgenbildern werden Rippenbrüche und ein frischer Oberarmbruch entdeckt. Für Prof. Segerer des St.-Hedwigs-Klinik gibt es keine andere Erklärung als äußere Gewalteinwirkung. Der Verdacht fällt auf die Mutter des Kindes. Innerhalb 72 Stunden nach der Mitteilung an das Jugendamt reagiert das Amtsgericht. Die Mutter erhält Sorgerechtsentzug für ihre beiden Kinder, die zu Pflegefamilien (Kinderdorf) kommen. Ihr wird das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Kindesverletzung, um Aufmerksamkeit zu erhalten) unterstellt. Nach einer psychischen Begutachtung ohne Befund wurde sie dann der Überforderung verdächtigt.
Prof. Voß, Leiter des Kinderzentrums München, bezweifelt die Gewaltanwendung und vermutet eine Erbkrankheit. Daraufhin wurde den Eltern vorgeworfen, nur aus Eigennutz um ihre Unschuld zu kämpfen, sich nicht um das Kindeswohl zu sorgen.
Manuel darf laut Gerichtsurteil erst nach Hause, wenn er sprechen kann, doch das kann er (nun ca. 3-jährig) immer noch nicht, warum weiß keiner.

Was beiden Sendungen nicht so ganz zu entnehmen ist, daß diese Methoden gängige Praxis der Staatsdiener sind. Welch perfides Gedankengut haben die Herrschaften nur? Wo bleibt die zweifelsfreie Sachaufklärung (z.B. zeitliche Entstehung des Oberarmbruches (im Krankenhaus ?)), die solche Eingriffe in das Naturrecht der Familien erst gestattet. Wo sind die Versuche der friedlichen Lösung des Konfliktes?

Im dritten Fall (Umschau, MDR, 13.06.06) ist die Sache wegen unzureichender Informationen schwieriger zu beurteilen. Es handelt sich um eine Familie mit 2 Kindern und wenig sozialer Bindung zueinander. Das eine Kind litt unter Krampfanfällen und kam bis zu achtmal im Jahr ins Krankenhaus. Die Mutter hatte eines Tages dieses zweijährige Kind wieder einmal ins Krankenhaus gebracht. Ein Pfleger stellte etwas später einen Geruch am Kind fest, wobei es sich um Silikonentferner am Mund handelte, der die Lunge schwer verletzen kann. Die Tat blieb aber ohne gesundheitliche Folgen für das Kind.
Allen Klinikmitarbeitern war aufgefallen, daß die Mutter sehr schnell ihr Kind im Spielzimmer abgab und wieder verschwand. Die Mutter wird dann am nächsten Tag ihres Krankenhausbesuchs verhaftet und versuchter Totschlag vorgeworfen. Die Mutter soll widersprüchliche Aussagen gemacht haben, die im Film nicht näher erörtert wurden. Die Tat hatte sie also niemals gestanden. Eine Psychiaterin stellte das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom fest, was aber keine verminderte Schuldfähigkeit bedeute. Die Mutter erhielt eine 3-jährige Haftstrafe und das Kind kam zu Pflegeeltern, warum wurde ebenfalls im Film nicht genannt.
Die Beweislage, so sieht es aus, ist sehr dünn und konnte offenbar nur auf das psychiatrische Gutachten gestützt werden. Ein ernsthafter kausaler Zusammenhang des Tathergangs liegt nicht vor. Beweisstücke sind nicht sichergestellt worden. Die Haftstrafe ist ansich und das Strafmaß in Bezug zur Beweislage bedenklich. Merkwürdig ist, warum die Polizei bis zum nächsten Tag wartete, um die Frau festzunehmen. Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom führt nicht zu Gedächtnisstörungen. Letztlich ist nicht ersichtlich, warum das Kind nun auch noch von seinem Vater getrennt werden mußte, der weder mit auf der Anklagebank saß noch anderweitig beschuldigt wurde.

In einem Beitrag "Plötzlich ist dein Kind weg - Eltern kämpfen gegen Behördenmacht" des ARD am 11.02.07 wurde über weitere Familienschicksale bzgl. unberechtigten Kindesentzugs durch die Behörden berichtet. Es wird über rein willkürliche Anforderungen und Feststellungen der Jugendämter und von der willkürlichen Ignorierung beweisrechtlicher Gegendarstellungen der Betroffenen durch ein Gericht erzählt.
Z.B. klärte eine Hortleiterin das Jugendamt über das gute Verhältnis von Vater und Tochter auf und empörte sich über die Mißbrauchsbehauptung (Grund des Kindesentzugs) der Beratungslehrerin der Schule. Das Jugendamt erklärte, es sei Ermessenssache, ob das Jugendamt diese Stellungsnahme berücksichtige. In einer anderen Sache wurde bislang selbst ein gerichtlicher Vergleich zur geordneten Rückführung eines Kindes vom Jugendamt mit allerlei Ausreden verhindert.

In Panorama (22.01.09) werden von den sonst noch vielen Fällen des Kindesentzugs 3 davon vorgestellt und von Allmacht der Jugendämter gesprochen. Familienrichter Bergmann sieht die Herausnahme der Kinder aus der Familie neben den anderen Familienproblemen als zusätzliches Leiden an. Die Kinder werden von ihren Eltern entfremdet wegen zu weit auseinanderliegenden Besuchszeiten (einmal im Monat). Der Staat sei nicht dazu da, eine allumfassende Sorge für jedes einzelne Kind zu führen. Es gäbe eine Überforderung der Mitarbeiter des Jugendamtes (Dann muß man sie bei fehlenden Sachverstand oder Verantwortungslosigkeit ersetzen?). Es fehle eine außergerichtliche Beschwerdeinstanz und vor dem Gericht seien die Jugendämter den Betroffenen einen Schritt voraus.
Weinen dürfe man nicht bei den Besuchen. Auch trotz sich wesentlich gebesserter Lebensverhältnisse der Eltern wird von Amts und Gerichts wegen die Wiederaufnahme des Kindes in die Familie verweigert oder sogar das Sorgerecht entzogen.
Eine Mutter behauptete, der Vater wolle das Kind entführen und der Vater behauptete sie habe den Kontakt des Vaters zu seinem Kind verhindert und dem Kind Angst vor seinem eigenen Vater eingeredet, worauf das Familiengericht ihr das Sorgerecht entzog, weil die Mutter ihren Sohn abschotte. Neben dem evtl. fragwürdigen erstellten psychiatrischen Gutachten und der Aussage der Verfahrenspflegerin, sie habe das Verhalten der Richterin als Bevormundung empfunden, fehlt jedoch eine Feststellung darüber, ob der Vater das Kind tatsächlich entführen wollte. Wenn dem nicht so war, muß sich die Mutter gem. der zumindest öffentlichen Rechtsprechung die Folgen ihres Fehlverhaltens anrechnen lassen. Sie hat das Naturrecht des Vaters auf Kontakt mit seinem Kind verletzt.

In der Sendung Report (ARD, 03.12.07) ist dann auch die Familienministerin van der Leyen kritisiert worden, die ein Frühwarnsystem, ein nationales Zentrum für Behördenkoordination, für mißhandelte Kinder einrichten wollte. Das Zentrum bestand dann aber nur aus 4 Mitarbeitern. Dreharbeiten ließ man nicht zu. Die Moderation meint, der Fehler läge im System. Es gäbe immer noch keine bundesweiten Pflichtuntersuchungen, keine funktionierende Vernetzung, keine Informationspflichten der Behörden untereinander, keine bundesweite Risikodatei und keine Anzeigepflicht der Jugendämter bei schweren Straftaten gegen Kinder. An den Folgen von Mißhandlungen sterben in Deutschland laut Kriminalstatistik 3 Kinder pro Woche.

Im Fall eines verhungerten Kindes in Schwerin räumte die Stadt schwere Fehler des Kinder- und Jugendamtes ein, daß nicht auf deutliche Hilferufe Verwandter reagiert hatte (Nachrichten, 31.01.08).

In einer Familie gab es vor 3 Jahren eine Ehekrise, weshalb das Jugendamt im Landkreis Rotenburg die 3 Kinder in Pflegefamilien und Heimen unterbrachte (Frontal21, ZDF, 18.08.10). 2 Kinder sind mindestens 12 Jahre alt und wollen zurück zu ihren Eltern. Das verneinte das Jugendamt mit der Begründung, daß auch die Einschätzung der beteiligten Fachkräfte wichtig sei. Ein Gerichtspsychologe bescheinigte der Mutter defizitäre Zahnhygiene, eingeschränkte Empathiefähigkeit, des Kindsvaters Reflektionsfähigkeit sei eingeschränkt, er habe nach einer arbeitsreichen Woche seine Ruhe gebraucht. Prof. Armbruster (Hochschule Magdeburg) bezweifelte die Objektivität des Gutachtens, denn die Fehlverhalten würden mit der Lupe vergrößert herausgestellt. Bei einem Vergleich mit sonstigen Menschen von der Straße würde man zu ähnlichen defizitären Ergebnissen kommen.
Kinderheime seien auf genügend Heimplätze angewiesen. Heimleiter müßten sich deshalb darum bemühen, gute Kontakte zu Jugendämtern zu halten, um Kinder zu bekommen. Bei den Kindern fände dann eine Entfremdung statt, obwohl gesetzlich geregelt ist, daß an einer Rückführung gearbeitet werden soll.
In einem anderen Fall entzog man den Großeltern das Sorgerecht, nachdem diese beim Jugendamt um eine zusätzliche Förderung für ihren behinderten Enkel anfragten. Als Grund wurden blaue Flecken, die das Kind hatte, genannt. Später stellte sich heraus, die Flecken seien nicht Folge von Mißhandlungen, sondern genetisch verursacht. Prof. Armbruster zeigt allgemein auf, daß in aller Regel mittels vielen Gutachten etc. eine Lawine losgetreten wird, die die Eltern selbst nicht mehr kontrollieren könnten. Die Kontaktaufnahme der Großeltern zu Frontal21 nahm das Jugendamt zum Anlaß, beim OLG Düsseldorf zu beantragen, vorläufig keinen Umgangskontakt zu ermöglichen, mit der Begründung, sie hätten berichtet, daß das ZDF die Ausstrahlung eines Berichts in der Sache plane.

Der amtliche Vormund von Kevin, dessen Leiche 2006 monatelang im Kühlschrank des gewalttätigen Ziehvaters lag, kam mit heiler Haut davon (Verfahrenseinstellung, 5000 € an Kindereinrichtung zahlen), weil das Gericht hintergründig allgemeines Behördenversagen konstatierte (schwierige Gemengelage), da der Vormund zu viele Kinder zu betreuen gehabt habe (heute, ZDF; RTLnachrichten, 11.08.10).


Das Jugendamt gab Chantal zu Pflegeeltern,die süchtig waren und deshalb seit Jahren an Methadon-Programmen teilnahmen, was aber nicht bekannt gewesen sein soll. Der Pflegevater hatte zudem ein langes Strafregister. Die Amtsleiterin wurde suspendiert. Die Pflegefamilienberatung erfolgte bis Oktober 2007. Dann wurde sie dem Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. übertragen, der der Familie einen einwandfreien Leumund bescheinigte, der aber den Tatsachen nicht entsprach. Herr Ehrmann (Vorsitzender Deutsche Kinderhilfe) hält fest, daß sei kein Einzelfall oder eine Besonderheit. Er steht stellvertretend für ein Jugendhilfesystem, in dem mehr als 600 Jugendämter unterschiedlich arbeiten. Es würden bundeseinheitliche Fachstandards und Regelungen zur Qualitätskontrolle fehlen. Vielerorts fände Jugendhilfe nach Kassenlage statt. Und so sterben jährlich durchschnittlich 150 Kinder an den Folgen von Gewalt und Mißhandlung. Da falle es schwer von einem funktionierenden Jugendhilfesystem zu sprechen (tagesthemen, ARD, 31.01.12).


Auch in diesem Fall v. 20.12.13 wird es bei der Prüfung einer Schuld des Jugendamtes bleiben.

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